Ein Gespräch unter Geschwister – Mein Bruder, der Zimmermann

Kommunikativ, kräftig und selbstbewusst – Mein Bruder Adrian und ich sitzen gemütlich auf einer Wiese, beobachten die Menschen, die an uns vorbeilaufen und trinken ein Spezi. Adrian ist ausgelernter Zimmermann und spricht über seine berufliche Passion. In seiner Kluft hat er sich für „Story of Five“ ablichten lassen und gibt den Bildern den Handwerk-Charme in Schwarz-Weiß. 

Ich bin kein Planer, ich bin ein Macher."

Adrian Renner
Hallo Adrian, ich freue mich, dass du im Rahmen der Fotoreihe „Handwerk“ mit mir über deinen Beruf sprichst. Meine erste Frage ist direkt und deine Antwort wird viel aussagen. Würdest du deinen Beruf generell weiterempfehlen?
Ja, warum nicht? Zimmerer werden immer gebraucht, weil ein Dach jeder braucht. Wenn du gerne mit den Materialien umgehst und du körperliche Arbeit schätzt, dann ist der Beruf definitiv etwas für dich. Die Zeit geht vorbei wie im Flug, wenn dir deine Arbeit Spaß macht. 
Was sind denn die Vor- und Nachteile im Beruf?
Ein Vorteil ist, dass du immer an der frischen Luft bist und dein Immunsystem gestärkt wird. Gleichzeitig ist dies auch ein Nachteil. Arbeiten bei 20 Grad ist wunderbar, aber bei Regen und Schnee ist es nicht mehr so lustig. Wer körperlich und mental fit ist, für den sind diese Bedingungen kein Problem. Überstunden kommen bei diesem Beruf auch gelegentlich vor. 
Wie ist der Work Flow als Zimmerer? 
Im Normalfall arbeite ich auf einer Baustelle so lange, wie es geht. Ist die geplante Arbeit an einem Tag machbar, dann schiebe ich auch gerne mal den pünktlichen Feierabend nach hinten und arbeite noch eine Runde weiter. 
 
Der Standort der Baustelle ist ebenso entscheidend, wie weit wir vorarbeiten können. Ich war schon auf Baustellen, die ich um 14 Uhr verlassen musste, weil ich eineinhalb Stunden zurückgefahren bin. Das war richtig blöd. An solchen Tagen bin ich morgens auch schon um 6 Uhr losgefahren. Aber keine Sorge, als Zimmermann kommen sehr wohl auch mal geregelte Arbeitszeiten vor. 
 
Ich habe Tage, an denen ich auf fünf oder sechs Baustellen bin, weil ich auf jeder Baustelle nur wenig zu tun habe, wie zum Beispiel bei einer Dachkontrolle. Dafür brauche ich im Schnitt ca. zwei Stunden, bis ich zur nächsten Baustelle fahre. Der Tag zieht sich bei solchen Arbeiten, beim Dachdecken oder Aufschlagen geht die Zeit schneller vorbei. 
Klingt nach sehr viel Abwechslung, die du als Zimmermann hast. 
Ja, als Zimmermann hast du jeden Tag Abwechslung. Später spezialisierst du dich und wirst darin Experte. Zum Beispiel gibt es bei uns Kollegen, die sich auf Aussenfassaden, Dachfenster oder Decken spezialisiert haben. Du hast deine eigene Crew, mit der du an die Arbeit gehst. Ich bin noch am Ausprobieren, in welche Richtung ich gehen möchte.
 
Ich finde es klasse, wie leidenschaftlich du über deinen Beruf sprichst. Das freut mich sehr. 
Ich arbeite normalerweise gerne. Aber auch ich habe Tage, an denen ich Aufgaben bekomme, auf die ich keine Lust habe. Dagegen kann ich nichts machen. Das sehe ich aber auch als mein persönliches Problem an und nicht eins meiner Firma. Das ist Arbeit, die erledigt werden muss.
 
Früher oder später zahlt es sich bestimmt aus. Ich kann mir gut vorstellen, dass du viel Hintergrundwissen hast, wenn es dazu kommt, dein eigenes Haus zu richten. 
Der Zimmerer ist fast der Einzige, der sich mit dem Großteil des kompletten Hauses auskennt. In unserer Ausbildung lernen wir einiges über Elektronik, Wasserleitung, Heizung, Sanitär etc. – man kann sagen, wir lernen ein bisschen von allem. Normalerweise wissen wir also, worüber wir reden. 
 
Im Gegensatz zu wem? Das klingt, als würdest du auf etwas ansprechen wollen.
Nein, ich möchte auf nichts Konkretes ansprechen. Mit Innenausbau, Trockenbau etc. ist der Zimmermann fast immer der Letzte auf der Baustelle, weil das Dach eben am Schluss kommt. Wir müssen dann alle Anschlüsse kontrollieren, zum Beispiel bei Sanitär Angelegenheiten und bei der Einteilung des Dachs. Da muss ich auf einiges achten.
 
Es wird mit mir abgesprochen, wo zum Beispiel Kabel gelegt werden und wie die Dachziegel verteilt werden. Ich bin kein Planer, ich bin ein Macher. Ich wollte schon immer gerne körperlich tätig sein und als Zimmermann bin ich in der Hinsicht vielfältig. 
 
Dann erhebe mal deine Dose Spezi auf die Zimmermänner, die man immer braucht. 
Und auf die Zimmerinnen natürlich. 

 

Ein großes Dankeschön geht an mein Brüderchen. Danke, dass du nun ein Teil von „Story of Five“ bist. Alles Liebe an Dich. Ebenso ein großes Dankeschön geht an seine wunderbare Freundin Jasmin. Sie war bei unserem Fotoshooting eine große Unterstützung. Von ihr sind zwei Bilder aus der Fotoreihe. Ein Hoch auf euch! 

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